DAS SCHWEIGEN BRECHEN
MENSCHENRECHTSVERLETZUNGEN AUFGRUND SEXUELLER
ORIENTIERUNG
HrsgInnen: Wolfgang Dinkelberg, Eva Gundermann, Kerstin Hanenkamp,
Claudia Koltzenburg
in Zusammenarbeit mit
amnesty international
ANNETT ZANDER
WIE MAN DAS SCHWEIGEN BRICHT
"Das Schweigen brechen" bricht tatsächlich mit dem Schweigen, und das
auch noch in einer sehr lesenswerten Art und Weise. Der rechtliche
Überblick bietet eine gute und leserfreundliche Einführung in rechtliche
Entwicklungen weltweit seit der Unterzeichnung der Allgemeinen Erklärung
der Menschenrechte. Für Leser und Leserinnen, die noch nicht wissen,
dass sich amnesty international im Rahmen ihrer Menschenrechtsarbeit für
die Menschenrechte von Lesben, Schwulen und Transgender einsetzt, bietet
der darauffolgende Abschnitt einen interessanten Einblick in die Arbeit
von amnesty international in diesem Bereich.
Das Kapitel "Verfolgt, verhaftet, ermordet - Menschenrechtsvergehen beim
Namen nennen" wartet mit einem gesonderten Abschnitt zu Lesben auf,
wodurch der Aspekt des Geschlechts oder "gender", der im
zeitgenössischen Feminismus so breit rezipiert wird, beleuchtet wird. Es
ist sehr erfreulich, dass auch bei amnesty international der Blick für
die Geschlechterhierarchien geschärft wird, indem auf die Hierarchien,
in denen auch Lesben und Schwule stecken, hingewiesen wird. Leider wird
dieser Ansatz, "gender" mit sexueller Orientierung zu koppeln, der
hierzulande nicht gerade üblich ist, bei den anderen Gruppen nicht
weiterverfolgt. Schwule und gerade Transgender People werden ebenfalls
von dem "gender system" erfasst. Bei den anderen Abschnitten in diesem
Kapitel fällt die Aktualität der geschilderten
Menschenrechtsverletzungen auf, und der starke Bezug auf das neue Medium
des Internets, das hier sinnvoll eingesetzt wird, um neue Informationen
zu verbreiten.
Verschiedenartige Informationen zu Asien, Afrika und Lateinamerika, wozu
auch das Lateinamerika-Special mit dem Interview und dem Essay beiträgt,
werden im letzten Kapitel dargestellt. Die Informationen im Anhang sind
differenziert in Lesben und Schwule unterteilt, es gibt sogar zwei
Weltkarten, wodurch die vielbeschworene Sichtbarkeit von Lesben endlich
realisiert wird. Die zahlreichen und schönen Bebilderungen von
lesbischem Leben sorgen ebenfalls für eine stärkere Wahrnehmung von
Lesben.
Es bleibt zu hoffen, dass weiterhin das Schweigen in dieser gelungenen
Form gebrochen wird.
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